Acné excoriée – der Zwang, sich selbst zu verletzen (Teil 1)

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Acné excoriée des jeunes filles, Dermatillomanie, Psychogene Excoriation, Neurotische Dermatose, Skin Picking Disorder – ein Krankheitsbild mit vielen Namen. Dabei ist die Acné Excoriée (AE) keine Hauterkrankung im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr eine so genannte Impulskontrollstörung (autoaggressive Zwangserkrankung). Konkret heißt das: Betroffene leiden in erster Linie an leichten Formen der Akne, verletzen ihre Haut aber zwanghaft. Dabei wird gekratzt, geknibbelt und gedrückt, bis aus kleinen Hautunreinheiten starke Entzündungen werden. Oftmals führt weiteres Verletzen dieser bereits entzündeten Körperstellen zu großflächigen Entzündungsherden und Narbenbildung. Kennzeichnend ist vor allem, dass die genannten Handlungen eher in spezifischen Sitz-Situationen stattfinden, etwa beim Lesen, Fernsehen, Telefonieren oder Auto fahren, und sich der bewussten Kontrolle entziehen. Dabei können Schübe über einige Minuten, aber auch über einige Stunden anhalten.

Skin Picking Disorder, eine Dermatillomanie

Acné excoriée, Dermatillomanie, Skin Picking (17. Okotber 2010) © by CC

Geschichte der Acné excoriée (Skin Picking Disorder)

Erstmals medizinisch beschrieben wurde die Acné Excoriée 1875: Sir Erasmus Wilson, Chirurg und Anatom, beobachtete selbstverletzendes Verhalten (SVV) vor allem bei Patienten mit der Diagnose Neurose. Jedoch beschränkt sich der Zwang zur Dermatillomanie nicht etwa auf Patienten in psychiatrischen Einrichtungen, sondern findet sich durch alle Schichten und Altersklassen der Bevölkerung. Insbesondere Frauen, so zeigen Studien, scheinen öfter von der Zwangstörung betroffen zu sein als Männer. Da die Erkrankung jedoch sehr schamhaft besetzt ist und Betroffene daher selten Hilfe suchen, gibt es keine verlässlichen Daten zu Erkranktenzahlen. Aktuelle Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass etwa 5,4 Prozent der Bevölkerung unter der Acné excoriée leiden.

Ursache der Acné excoriée des jeunes filles

Die Gründe der Dermatillomanie liegen nicht in einer grundlegenden Hauterkrankung. Ganz im Gegenteil, leiden die meisten Betroffenen doch nur an leichten Formen der Akne bzw. an leichten Hautunreinheiten. Stattdessen handelt es sich hier um eine Zwangsstörung, bei der Betroffene die eigene Haut verletzen. Ihre Ursache ist psychischer Natur: Hauptsächlicher Auslöser für einen Dermatillomanie-Schub sind Emotionen wie Trauer, Stress, Wut, Nervosität, Spannungen, Frustration oder Langeweile. Oftmals sind die Handlungen aber auch Teil der täglichen Bad- oder Tagesroutine – denn in vielen Fällen kommt der Wunsch nach einem perfekten Aussehen dazu. Oft neigen Patienten mit der Diagnose Acné Excoriée zu Depressionen, Dysthymie (depressive Verstimmung) oder Angststörungen, auch der Missbrauch von Suchtmitteln kann zur Dermatillomanie führen. Weitere Ursachen: Zwangsneurose (obsessive-compulsive disorder), Körperdysmorphe Störung (body dysmorphic disorder), besessen-zwingende Beschaffenheits-Störungen (obsessive compulsive personality disorder (OCPD).

Acné Excoriée: Symptome einer Dermatillomanie

Rücken kratzen

Acné Excoriée am Rücken © R. Eko Bintoro / Bigstock.com

Die Acné Excoriée beginnt vorwiegend in der Pubertät bzw. im jungen Erwachsenenalter und wird in den meisten Fällen zu einem chronischen Verhalten. Bevorzugte Körperstellen sind das Gesicht, der Oberkörper inklusive Nacken, Rücken und Brust sowie die Extremitäten (Arme und Beine). Dabei beschädigt mehr als die Hälfte der Patienten gesunde Haut, während die restlichen Betroffenen alle erdenklichen Hautveränderungen vom Mitesser über den Insektenstich bis hin zu Hautunebenheiten bearbeiten. Hierbei werden sowohl die eigenen Finger und Fingernägel eingesetzt als auch jegliches Werkzeug, das sich zum Durchstechen und Abtragen der Hautschichten eignet (z.B. Nadeln, Pinzetten und Lanzetten). Auch bereits entzündete, verkrustete und/oder bereits heilende Stellen werden weiterführend verletzt. Daher leiden viele Betroffene an teilweise großflächigen, nässenden Entzündungen der Haut, die im Laufe des immer wieder unterbrochenen Heilungsprozesses in Narben übergehen.

Laut Aussage vieler Patienten geschehen die Verletzungen unbewusst, entziehen sich der eigenen Kontrolle und können erst beendet werden, wenn das eigene Blut fließt. Schmerzen werden etwa erst später wahrgenommen, stattdessen kommt es zu einem Trance-ähnlichen Zustand, begleitet von Gefühlen der Erleichterung und Befriedigung. Im Anschluss an eine Verletzungssequenz treten Emotionen wie Verlegenheit, Scham und Schuld auf.

Weitere Symptome der Acné Excoriée finden sich im kognitiven und sozialen Verhalten. Dies beinhaltet die hohe Unzufriedenheit mit dem eigenen Äußeren, ein starkes Schamgefühl, den eigenen Körper der Öffentlichkeit zu präsentieren, sowie Schuldgefühle und die Angst, das eigene Zwangsverhalten könne öffentlich aufgedeckt werden. Als Resultat verweigern die Betroffenen immer stärker die Teilnahme an gemeinsamen Aktivitäten wie etwa Sport und ziehen sich aus dem sozialen Leben zurück. Es kommt zu erheblichen Verlusten der Lebensqualität, die sich auf Dauer immer weiter aufsummieren.

Zum Weiterlesen: Im zweiten Teil der Serie über die Dermatillomanie sind das Durchbrechen des Teufelskreises, Diagnostik, Therapie/Behandlung und Hilfe die Themen.

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