Laurinsäure bei Akne: milder Wirkstoff, starke Wirkung

· Judith Amann · Noch kein Kommentar.

Ob eingenommen oder auf die Haut aufgetragen: Durch das Internet schwirren etliche Erfahrungsberichte, die über die positive Wirkung von Kokosöl bei bzw. gegen Akne berichten (auch Kokosnussöl oder Kokosfett genannt).

Das Öl besteht – wie auch Lorbeeröl oder Palmkernöl – zu über 40% aus Laurinsäure, einer weißen, pulvrigen Verbindung mit einem schwachen Duft von Myrtenöl oder Seife. Die antibakterielle Wirkung dieser aus 12 Kohlenstoffatomen bestehenden, mittelkettigen gesättigten Fettsäure ist tatsächlich wissenschaftlich belegt. Sie kommt selbst in Muttermilch, Kuh- und Ziegenmilch vor und besitzt weiterhin antivirale, antimikrobielle, antiprotozoale und antifungielle Eigenschaften.

Dissaya 'Nu' Pornpattananangkul von der University of California, San Diego

Dissaya “Nu” Pornpattananangkul © UC San Diego / Daniel Kane

Dissaya “Nu” Pornpattananangkul und ihren Kollegen von der Jacobs School of Engineering an der University of California, San Diego haben nun Laurinsäure als Formulierung in der Doppellipidschicht von Liposomen an Mäusen (in vivo) getestet. Ihre Studie veröffentlichten sie in der Fachzeitschrift “Advanced Healthcare Materials“.

Ergebnis: Der Wirkstoff tötet die Akne-Bakterien Propionibacterium acnes erfolgreich ab. Die Nebenwirkungen fielen dabei weitaus geringer aus als bei den klassischen und etablierten Anti-Akne-Wirkstoffen Benzoylperoxid (BPO) oder Salicylsäure.

Mit “Membrankügelchen” gegen Akne

Liposome sind kleine “Kügelchen” (sog. Vesikel) die – ähnlich einer Zellmembran – aus einer doppelten Schicht Lipiden bestehen, die einen Hohlraum umschließt. Dieser kann eine wässrige Lösung enthalten. Der Begriff Lipid ist eine Sammelbezeichnung für wasserunslösliche Stoffe, die aus langen Kohlenstoffketten bestehen. Sie sind Hauptbestandteil der Zellmembranen. Fette und Fettsäuren gehören zu den Lipiden.

Liposomen sind in vielen Kosmetika enthalten. Sie vereinigen sich mit den Barriere-Schichten der Haut und entlassen die Wirkstoffe aus ihrem Inneren (Drug Delivery System). Diese können tiefer und gezielt in die Haut eindringen. Liposomen selbst verbessern den Feuchtigkeitsgehalt der Haut. Auch in Arzneimitteln kommen Liposome inzwischen zum Einsatz, zum Beispiel um empfindliche Wirkstoffe zunächst vor dem Abbau durch den Stoffwechsel zu schützen.

In ihrer neuesten Studie haben die Forscher die Laurinsäure nicht im Innern des Liposoms eingeschlossen, sondern in dessen Membran eingebaut. Diese sogenannten “liposomal lauric acids” (liposomale Laurinsäure, abgekürzt LipoLA) vereinigten sich mit den Zellmembranen der Bakterienzellen. Die Membranen wurden zerstört, die Bakterien dadurch abgetötet. Bereits in einer früheren Studie hatten die Forscher nachgewiesen, dass die LipoLA Moleküle gegen Propionibacterium acnes wirkten.

Laurinsäure mit weniger Nebenwirkungen

Jetzt testeten sie ihren neuen Wirkstoff im Tierversuch: Sie infizierten die Ohren von Labormäusen mit P.acnes. Die Mäuseohren reagierten: sie entzündeten sich und schwollen an. Die Forscher behandelten die Ohren, indem sie ein Gel auftrugen, das LipoLA enthielt. Der Wirkstoff tötete die Bakterien erfolgreich ab. Darüber hinaus zeigten sich keine Nebenwirkungen auf der normalen Haut der Maus. Im Gegensatz dazu lösten frei verkäufliche Anti-Akne-Mittel, die BPO und Salicylsäure enthielten, innerhalb von 24 Stunden Hautirritationen aus. Die Wissenschaftler um Pornpattananangkul sehen LipoLA daher als einen vielversprechenden neuen Wirkstoff im Kampf gegen Hautunreinheiten.

Allerdings neigen Liposomen zur Verklumpung. Pornpattananangkul forscht seit längerem an einer Lösung dieses Problems: 2010 veröffentlichte sie ihre Studie “Stimuli responsive Liposome Fusion Mediated by Gold Nanoparticles“, in der sie Liposomen mit Gold-Nanopartikeln modifizierte. Das verhinderte ein Verklumpen erfolgreich, bei einem neutralem pH-Wert. Bei einem sauren pH-Wert allerdings, wie er in der unmittelbaren Umgebung der Bakterien vorherrscht, fallen die Nanopartikel ab. Die Liposomen konnten jetzt mit der Bakterienmembran fusionieren und diese erfolgreich abtöten.

© UC San Diego / Daniel Kane

Stärkere Wirkung bei Akne mit Liposomen

Laurinsäure als antibakterieller Wirkstoff wird im Department of Nanoengineering der University of California in San Diego bereits seit längerem erforscht. 2009 konnten Wissenschaftler dort bereits belegen, dass mit Laurinsäure gefüllte Liposomen unter Laborbedingungen wirken. Die Studie, veröffentlicht in der Zeitschrift “Biomaterials“, ergab, dass mit Laurinsäure gefüllte Liposomen P. acnes wirkungsvoll abtötet. Ein wichtiger Unterschied zur aktuellen Studie: Damals befand sich die Laurinsäure im Inneren der Liposomen, während bei der aktuellen Studie Laurinsäuremoleküle in die Hülle der Liposomen integriert wurden. Die Wirkung war die gleiche: Die Laurinsäure tötete die Bakterien – und das schon bei einer geringeren Konzentration als wenn die Fettsäure frei vorliegt, also ohne Liposom.

Laurinsäure wirkt viel besser als BPO

Neben Laurinsäure untersuchten die Forscher auch die Wirkung von Palmitinsäure und Ölsäure – beides sind ebenfalls Fettsäuren, sie wirkten aber nicht so stark gegen P. acnes.

Zumindest im Laborversuch reagierten die Aknebakterien viel stärker auf Laurinsäure als auf den Wirkstoff BPO. Dies ergab eine Studie, die Teruaki Nakatsuji von der University of California San Diego und seine Kollegen bereits 2009 im “Journal of Investigative Dermatology” veröffentlicht haben.

In dieser untersuchten die Forscher die Wirkung der Laurinsäure gegen P. acnes im Vergleich zu BPO. Die geringste Konzentration bei der die Laurinsäure ein Bakterienwachstum verhinderte war 15 mal niedriger, als die geringste BPO-Konzentration, die Wachstum unterband. Laurinsäure wurde auch am Mäusemodell getestet. Die Laurinsäure tötete die Bakterien im infizierten Mäuseohr ab. Dadurch ging die von den Bakterien hervorgerufene Schwellung und die Entzündungsreaktion zurück. Negative Auswirkungen auf das Gewebe hatte die Behandlung nicht. Die Forscher testeten auch, ob Laurinsäure im Laborversuch die Talgdrüsenzellen abtötet. Das war nicht der Fall. Die Forscher gehen davon aus, dass die Laurinsäure die Membranen von Bakterienzellen – und damit die Bakterien – schädigt, aber nicht die Membranen der Hautzellen.

Talgregulierend für Pflege von Akne-Haut

Laurinsäure wirkt aber nicht nur antibakteriell. Die Kosmetikmarke Avene hat einen Wirkstoff – Glyceryllaurat® – auf Basis der Laurinsäure und Glycerin entwickelt, der die Talgproduktion der Haut vermindert. Laut Hersteller hemmt das Glyceryllaurat ein Enyzm, das Testosteron in Dihydrotestosteron umwandelt. Dihydrotestosteron wiederum regt die Talgproduktion an. Dieser Mechanismus spielt bei der Entstehung von Akne eine entscheidende Rolle. Der Wirkstoff wird in einigen Produkten der Cleanance-Pflegeserie von Avene verwendet:

Fazit zum Einsatz von Laurinsäure bei Akne

Die verschiedenen Studien der University of California in San Diego zeigen, dass Laurinsäure ein vielversprechender Wirkstoff bei Akne ist. In Kombination mit Liposomen wirkt die Laurinsäure noch effektiver gegen die Akne-Bakterien, wie aus einer aktuellen Studie hervorgeht. Verglichen mit BPO und Salizylsäure hatte der Wirkstoff LipoLA (Laurinsäure-Liposom) weniger Nebenwirkungen wie Rötungen oder Brennen im Maus-Modell. Ob sich LipoLA in der Akne-Therapie als echte Alternative zu Antibiotika entpuppt, muss weitere Forschung zeigen. Laurinsäure allein ist bereits in (dermo-kosmetischen Pflege-)Produkten für Akne-Haut enthalten.

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