Einfluss der Ernährung auf Akne: Immer mehr Anzeichen

· Henrike Jung · Noch kein Kommentar.

Jennifer Burris, Wissenschaftlerin und Doktorandin des Department of Nutrition, Food Studies, and Public Health der Steinhardt School of Culture, Education, and Human Development der NYU, ihre Kollegin Kathleen Woolf und William Rietkerk (vom Department of Dermatology des New York Medical College) haben sich über 100 Jahre Fachliteratur, die sich mit dem Einfluss der Ernährung/Ernährungsweise auf Akne beschäftigt, angeschaut und ausgewertet.

Von anfänglich 104 via PubMed gefundenen Artikeln blieben nach Anwendung bestimmter Kriterien 16 übrig, die durch 11 weitere aus einer manuellen Suche ergänzt wurden. Nach der Recherche der 27 Artikel ließen sich drei unterschiedliche Phasen einteilen: die frühe Geschichte (ab dem Ende des 19. Jh.), der Beginn des Akne-Diät Mythos (1960er) und die aktuelle Forschung (bis 2012).

Als Resultat entstand ein Review, das in der März 2013-Ausgabe des „Journal of the Academy of Nutrition and Dietetics“ unter dem Titel „Acne: The Role of Medical Nutrition Therapy.“ veröffentlicht wurde.

Die Analysen des Forscherteams ergaben, dass es zunehmend mehr Anzeichen für eine Verbindung zwischen einer bestimmen Ernährungsweise und Akne gibt. Dieser Zusammenhang sei beim regelmäßigen Konsum von Lebensmitteln mit einer hohen glykämischen Last (GL) bzw. Index (GI) und Milcherzeugnissen stärker als bei anderen Ernährungsweisen, sodass die „medical nutrition therapy (MNT)“ eine bedeutende Rolle in der Akne Behandlung spielen kann.

Forschungsergebnisse aus dem 19. bis Mitte 20. Jh.

Im späten 19. Jahrhundert und bis Mitte des 20. hatte die Forschung in einer Reihe von Untersuchungen bereits den Einfluss der Ernährungsweise auf Akne hergestellt. Schokolade, Zucker sowie Fett wurden als „Schuldige“ identifiziert. Daraufhin wurde die Ernährungsumstellung (bspw. „Verbot“ bestimmter Lebensmittel) zur ergänzenden Akne Behandlung genutzt, obwohl die Pathogenese der Akne im Vergleich zu heute wenig bekannt war.

Die Entstehung des Akne-Ernährungs-Mythos

Schokoladenstücke

Einfluss von Schokolade auf Akne © Natika / Bigstock.com

In den 1960/70er Jahren sorgten dann zwei Studien für den teils bis heute anzutreffenden Mythos und großen Konsens unter Medizinern, dass die Ernährung mit Akne rein gar nichts zu tun hätte. Die Studien von damals, die den Zusammenhang zwischen Schokoladenkonsum und Akne untersuchten, hatten jedoch mehrere „Schwachstellen“. Zum einen war die Zahl der Studienteilnehmer extrem klein, das Placebo ungeeignet, die Vergleichsgruppen nicht zweckmäßig und auch die Datensammlung inkonsistent. Am Ende wurden die Studien dann so fehlinterpretiert, dass Akne und Ernährung nichts miteinander zu tun hätten, in Wahrheit wurde aber wie gesagt – mehr schlecht als recht – nur der Einfluss von Schokolade auf Akne untersucht…

Noch wichtiger ist aber zu wissen, dass die Studien zu einer Zeit durchgeführt wurden, als Dermatologen den Einfluss der Hormone auf Akne noch gar nicht wirklich verstanden haben und auch nicht bekannt war, dass man eine gewisse Studienlänge braucht um eine Auswirkung auf die Entwicklung der Akne zu sehen. Trotz aller Unzulänglichkeiten und Schwächen wurden die Studien so oft (fehl-)zitiert und damit populär, dass es fast 40 Jahre lang keine weitere Forschung auf dem Gebiet mehr gab!

Neueste Forschungsergebnisse

Aus neueren Studien bis 2012, die den Zusammenhang zwischen Akne und Ernährung dann wieder untersuchten, resümierten die Studienautoren, dass eine Ernährungsweise mit Lebensmittel mit hoher glykämischen Last bzw. einem hohen glykämischen Index und der Konsum von Milchprodukten im Vergleich zu anderen die führenden Faktoren sind, um einen Zusammenhang zwischen der Ernährung und Akne herzustellen. Die neueren Ergebnisse besagten, dass die eben genannten Lebensmittel möglicherweise die Akne beeinflussen oder verschlimmern, sie aber noch keinen Schluss darauf zulassen, ob Akne allein durch eine bestimmte Ernährung entsteht.

Bisher gibt es keine randomisierte Kontroll-Studien, die den Zusammenhang zwischen regelmäßigen Konsum von Milch oder Milcherzeugnissen und Akne untersucht haben. Ähnlich dürftig ist die Anzahl an Studien, die den Zusammenhang zwischen fettreicher Ernährung und/oder Omega-3-Fettsäuren untersuchten, die Beweislast ist daher noch weniger gegeben, aber es gibt Hinweise, dass Omega-3-Fettsäuren sich positiv auf die Reduzierung einer Akne auswirken können.

Fazit und Ausblick

Als Fazit empfiehlt das Forscherteam, dass Dermatologen und Ernährungsexperten enger zusammenarbeiten sollten um qualitative, von methodischen Unzulänglichkeiten freie, Forschung mit randomisierten Kontroll-Studien auf dem Gebiet zu betreiben. Obwohl die Auswertungen im Rahmen des Review eine Verbindung zwischen Akne und Ernährung herstellen konnten, sind weitere Untersuchungen erforderlich um die neueren Studien zu verstehen, den Einfluss der Ernährung auf Akne zu bestimmen und entsprechende Empfehlungen für die „medical nutrition therapy (MNT)“ zu geben.

Die Wissenschaftler setzen sich für weitere Forschungsarbeit ein, die die Rolle der Ernährung in der Akne Pathogenese untersuchen soll. Es gebe einen großen Bedarf für gut durchgeführte randomisiert Kontrollstudien, die helfen Ursachen und Einfluss der MNT auf Akne zu erforschen.

Für die Akne Behandlung sei es wichtig, jeden Patienten individuell zu betrachten und dabei auch die Möglichkeit des Ernährungseinflusses mitsamt einer Umstellung bzw. Anpassung der Ernährung – zusätzlich zur konventionellen Behandlung – zu berücksichtigen. Neben einer eventuell positiven Auswirkung auf die Hauterkrankung könnte eine milcharme/-freie (trotzdem sollten Kalzium und Vitamin D anderweitig zugeführt werden) bzw. gemüse-/obstreiche Ernährung im Rahmen einer GL/GI-Diät auch einen guten Schutz gegen andere chronische Krankheiten darstellen, zumal sie nicht schädlich sind. Für manche Patienten kann auch die Gewichtsreduzierung ein positiver Nebeneffekt sein.

Eine generelle Empfehlung zur Behandlung der Akne durch Ernährungsumstellung kann jedoch zum aktuellen Zeitpunkt nicht gegeben werden, da für belastbare Richtlinien zusätzliche Forschungsarbeit nötig ist und die aktuellen Zusammenhänge noch zu weit unklar sind.

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